Sonntag, 17. April 2016

Einmal Fernbeziehung und zurück, bitte!

4,5 Jahre haben wir jetzt in einer Fernbeziehung gelebt. Es war das Übliche, ich bin zum Studium weg gegangen, er blieb, weil er hier verwurzelt ist und einen guten Job hat.

Anfangs war die Fernbeziehung natürlich schwierig. Wir mussten erst heraus finden, wie wir unsere Wochenenden gemeinsam verbringen, wie viel Zeit noch für andere Menschen und Aktivitäten bleibt und wer wen wie oft besucht. Aber irgendwann hat sich das eingespielt und es war nicht mehr so schwer wie am Anfang. Das Vermissen war immer noch da, aber man konnte es leichter ertragen, weil man wusste, wie das nächste Wochenende aussieht und dass es ein nächstes Wochenende gibt.
Die Wochenenden waren dann immer wie eine kleine Pause, ein kleiner Urlaub vom Alltag. Ich habe versucht alles was erledigt werden muss, vor dem Wochenende zu schaffen, damit Nichts das besondere schöne Wochenende zerstören kann.

Und jetzt ist das da, auf das wir 4,5 Jahre gewartet haben. Wir wohnen zusammen in einer Wohnung.

Mein Studium ist vorbei und ich wohne wieder in meiner Heimatstadt. Hier bin ich aufgewachsen, hier wohnen meine Eltern, hier kannte ich eigentlich viele Menschen. Und das womit ich nie gerechnet hätte, ist eingetreten, ich wünsche mir die Fernbeziehung zurück. Im Moment weiß ich nicht, wie ich unsere Leben zu einem gemeinsamen Leben zusammen fügen kann.



Er lebt einfach weiter wie bisher, die gleichen Termine, die gleichen Aktivitäten, die gleichen Freunde. Als wäre ich immer noch 300 Kilometer weit weg.
Ich versuche verzweifelt eine Routine aufzubauen und den Mut aufzubringen mich irgendwo zu bewerben. Alte Freunde sind nicht mehr viele übrig und Hobbies müssen erst wieder neu entdeckt werden. Ich schwebe zwischen dem Altbekannten und dem Neuankommen.
Traurig, dass wir in unserer Fernbeziehung mehr geredet haben als jetzt. Der abendliche Telefontermin war ein fester Bestandteil. Der andere wurde auf den neuesten Stand gebracht, um am Leben des anderen teilnehmen zu können. Jetzt sind wir eigentlich ein Teil des anderen, aber doch nicht zusammen. Gespräche drehen sich darum was man einkauft und wer was putzt. So weit dass wir gemeinsam Termine besprechen, kommt es gar nicht. Mein Freund macht seine Termine, trägt sie in den Kalender ein und ich soll es akzeptieren.
Gerade könnte ich auch Single sein. Bis auf das wir gemeinsam im gleichen Bett schlafen, fühlt es sich nämlich nicht mehr nach einer Beziehung an und das macht mich, in einer im Moment eh schon unsichereren Lebenssituation, ganz schön kaputt. Ich habe Angst, dass uns das kaputt macht.


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